SKK

Call for papers SKK 2020 an der Universität Bern zum Thema »Literatur und Europa«

Im Jahr 2020 findet der elfte Studierendenkongress Komparatistik statt – zum ersten Mal in der Schweiz. An der Universität Bern werden vom 8. Mai bis 10. Mai 2020 Studierende zum Thema »Literatur und Europa« ihre Arbeiten präsentieren.

Bist du interessiert? Möchtest du dabei sein und einen Vortrag halten oder deine Arbeit in einem Seminar diskutieren? Dann schick uns deinen Abstract bis zum 1. März 2020.

Natürlich freuen wir uns auch über alle, die zuhören kommen, ohne eine Arbeit zu präsentieren.

Was ist der SKK?

Der SKK bietet für BA-Studierende, MA-Studierende und Doktorierende eine internationale Plattform des Austauschs und der Vernetzung. Die Studierenden präsentieren bereits vollendete oder sich im Entstehen befindende Arbeiten. Gemeinsam mit dem Publikum werden die Arbeiten diskutiert, Themen werden hinterfragt, neu erschlossen oder erweitert. Die Studierenden haben somit Gelegenheit, Inputs und konstruktives Feedback zu ihren Ideen zu erhalten. Außerdem können sie sich mit anderen Studierenden austauschen und innerhalb und außerhalb des Rahmenprogramms, in den Pausen oder beim Abendessen neue Kontakte knüpfen. Ziel des SKK sind lebhafte wissenschaftliche Diskussionen, ein reger Austausch und die Vernetzung zwischen den Teilnehmenden.

Was ist das Thema?

Das Thema ist – formal der mehr als zehnjährigen Tradition des SKK folgend – »Literatur und Europa«. Gerade auch in der Schweiz ist der Diskurs um Europa sehr präsent. Am diesjährigen SKK an der Universität Bern ist deshalb Platz, um Europadiskurse der Literatur zu behandeln.

Literatur macht Europa

Was ist Europa? Wer ist Europa? In der griechischen Mythologie ist es eine junge Frau, die von Zeus verführt und entführt wird. Sie spielt an einem Strand im Libanon, wo Zeus in Stiergestalt erscheint. Europa streichelt den friedlichen Stier und setzt sich schließlich auf seinen Rücken, worauf der Stier ins Meer trabt und mit ihr davon schwimmt. Zeus entführt Europa nach Kreta und gibt sich dort zu erkennen. Europa verliebt sich in Zeus und bringt Minos auf die Welt, nach dem die minoische Kultur Kretas benannt ist. Ovid erklärt damit die Umstände, wie die geografische Gegend Europa entstand: Er nimmt die Geschichte einer jungen Frau zu Hilfe, die den Vornamen Europa trägt. Bereits der Name des Kontinents entstammt also dem literarisch festgehaltenen Mythos. Dies ist nur ein Beispiel unter vielen, wie Literatur ein Europa-Motiv herstellt, das unser Denken von und über Europa prägt.

Ein Europa-Begriff kann sich auch auf politische Institutionen beziehen, zum Beispiel auf die EU, den Schengenraum oder die Eurozone. Zudem bieten Sprachen oder gemeinsame Geschichte und geografische Anhaltspunkte weitere Möglichkeiten, Europa zu denken. Letztlich lebt Europa aber von Diskursen: Welche ethischen und politischen Wertevorstellungen gibt es von Europa, welche Erwartungen und Hoffnungen? Wie werden Europa-Bilder in der Gesellschaft – kritisch oder affirmativ – besprochen? Und wie prägen diese Haltungen, gerade auch aus der Literatur, das Bild Europas mit?

In der Mythologie, in Essays, in der Lyrik, in epischen Werken, in Dramen und auf der Theaterbühne wird Europa verhandelt – sei es in Johann Wolfgang Goethes West-östlicher Divan (1819), in Friedrich Schlegels Europa-Zeitschrift, bei Friedrich Nietzsche und in Robert Walsers Prosasammlung Der Europäer (1928-1933). Auch in der Gegenwartsliteratur kommt Europa immer wieder vor, etwa bei Durs Grünbein, Zündkerzen (1974), Jonas Lüscher, Frühling der Barbaren (2013), Franco Moretti, Distant Reading (2013), Elfriede Jelinek, Die Schutzbefohlenen (2013) oder Robert Menasse, Die Hauptstadt (2017). Weitere Medien wie Zeitungen und Zeitschriften sowie das Internet sind ebenfalls daran beteiligt, die Vorstellungen von Europa zu formen. Deshalb lautet ein Motiv des Kongresses: Literatur macht Europa.

Europa macht Literatur

Aber kann es nicht auch umgekehrt gesehen werden, dass Europa als materielles Gefüge und imaginiertes Konstrukt das Schaffen der Autor*innen prägt? Schließlich befasst sich die Literatur oft mit Themen, die für die (europäische) Gesellschaft aktuell sind, beispielsweise Migration, Gender, Identität, Gemeinschaft oder Geschichtsbilder. Auch die Aufarbeitung des Holocaust in Europa und außerhalb Europas hat lange Zeit in der Literatur viel Raum eingenommen und nimmt ihn noch immer ein. Europa prägt die Diskurse in der Literatur mit und gibt Anstöße für Reaktionen und Meinungen.

Erstens bilden Gesellschaftsstrukturen und politische Ereignisse oft den Hintergrund, vor dem literarische Texte geschrieben werden. So etwa in Dorothee Elmigers Roman Schlafgänger (2014) und in der Lyrik und Musik von Kate Tempest, beispielsweise Europe is lost (2015). Beide Autorinnen schreiben über hoch politische und aktuelle Themen. Tempest befasst sich mit der westlichen Gesellschaft, Elmiger schreibt mit dem Blick auf die Schweiz über die Flüchtlingskrise. Aufgrund dieser aktuellen Werke, die sich mit Europa auseinander setzen, muss man fragen: Steckt Europa in der Krise? Schon Schlegel erwähnte die Krisensituation in Europa und stellte sie ironisch gebrochen dar. Steckt Europa permanent in der Krise?

Zweitens gibt es in Europa reale und ideologische Grenzen, die in der Literatur thematisiert werden. Grenzen schaffen Nationalität und Identität, sie grenzen ein – und aus. Wer ist Europäer*in? Und ist die von außen homogen scheinende Gruppe der Europäer*innen nicht innen zerstritten, gespalten in verschiedene Nationen und innerhalb der Nationen wieder gespalten durch unterschiedliche Meinungen und Hintergründe, gespalten zwischen den Subjekten und zuletzt im Subjekt selbst? In Autum (2016) beschäftigt sich Ali Smith mit dem Brexit, Saša Stanišić und Carolin Emcke schreiben über den Identitätskonflikt. Nora Bossong nimmt in ihrem Gedicht Ach, Europa (2018) den oben geschilderten antiken Mythos auf und übersetzt ihn in ein aktuelles fragmentiertes Europa-Bild.

Und drittens beeinflusst der Markt die Literatur. Die Autor*innen sind darauf angewiesen, dass der Literaturbetrieb sie unterstützt und ihnen eine finanzielle Absicherung ermöglicht. Die Literaturpreise, Buchhandlungen und Literaturarchive prägen das Literaturschaffen und die Verbreitung der Texte. Diese Einrichtungen des Literaturmarkts sind wiederum größtenteils im geografischen, politischen und ideologischen Europa verankert. Deshalb lautet ein anderes Motiv des Kongresses: Europa macht Literatur.

Wie ist der SKK organisiert?

Es gibt zwei verschiedene Formate, in denen du deine Arbeit präsentieren kannst:

Vorträge 

Bei einem Vortrag referierst du 20 Minuten über deine Arbeit. Anschließend hat das Publikum 10 Minuten Zeit, Fragen zu deinem Vortrag zu stellen.

Seminare 

In einem Seminar hat die Diskussion mehr Platz. Das heißt, dass du deine Arbeit vorab als Text einreichst und nur zu Beginn in 10 Minuten vorstellst, danach beginnt die Diskussion unter allen Teilnehmenden des Seminars. Zur Hilfestellung kannst du Diskussionsfragen vorbereiten. Das Publikum ist also einen Großteil der Zeit aktiv an der Diskussion beteiligt und du bekommst damit mehr Inputs für deine Forschung. Zwei Arbeiten gehören jeweils dialogisch zu einem Seminar unter demselben Oberthema. Das Seminar dauert eine Stunde, am Schluss wird versucht, ein gemeinsames Fazit zu bilden.

Mögliche Seminarthemen sind:

• »Gender und Europa« Ist Gender eine europäische Erfindung? Ist Europa progressiv in Bezug auf Gender? Und welche Rolle spielt die Literatur, wenn es darum geht, Geschlechterrollen auszuhandeln?

• »Migration und Europa« Wie behandelt Literatur Mehrsprachigkeit, Identität, Fremdheit und Heimat? Wie hilft Literatur mit, Migrationserfahrungen zu verarbeiten und ein Bewusstsein dafür zu schaffen?

• »Gründungsmythen und Europa« Was sind europäische Gründungsmythen? Welches Bild einer Nation zeigt sich in Gründungsmythen? Wie funktionieren die Gründungsmythen eines Kollektivs? Gibt es sie überhaupt?

• »Nation(en) und Europa: Grenzen und nationale Spaltungen« Inwiefern thematisiert die Literatur Grenzen oder setzt sich über Grenzen hinweg? Gibt es europäische Literatur?

Weitere Vorschläge für Seminarthemen sind willkommen.

Wie kannst du dich für den SKK in Bern bewerben?

Du schickst uns einen Abstract bis am 1. März 2020 als pdf an skk2020@germ.unibe.ch. Dein Abstract sollte maximal 300 Wörter lang sein. Schreib in deinem Mail bitte auch deinen Namen, den Titel deines Vortrags und eine kurze Vita (Kurzinformationen zur Person; akademischer Grad, sofern vorhanden; Fachrichtung).

Ganz wichtig: Möchtest du einen Vortrag halten oder deine Arbeit in einem Seminar diskutieren? Schreib das bitte ebenfalls ins Mail.

Bis Ende März wählen wir die Arbeiten für den SKK aus und geben dir Bescheid. Bis am 19. April meldest du dich dann endgültig an und schickst dein Paper, falls du dich für ein Seminar beworben hast.

Wie melde ich mich an, wenn ich zuhören kommen möchte?

Alle spontanen Zuhörer*innen sind herzlich willkommen. Damit wir besser planen können, wäre es hilfreich, wenn sich auch Zuhörer*innen vorher anmelden. Du schickst uns bis am 30. April 2020 ein Mail an skk2020@germ.unibe.ch.

Die Anmeldung für die Seminare erfolgt am Freitagabend vor Ort.